Demokratie – warum sie nicht sterben wird

Demokratie und Pressefreiheit bedingen einander

Bis vor kurzem dachte ich, dass es heute selbstverständlich ist, in einer Demokratie mit aktiver Pressefreiheit zu leben. Zumindest in Europa oder im „freien“ Amerika. Da werde ich gerade eines besseren belehrt. Die Demokratie ist mit der aktuellen US-amerikanischen Führung  meines Erachtens nicht nur bedroht, sie ist nicht mehr wirklich vorhanden. Zumindest nicht in Bezug auf die Freiheit der Presse, so zu berichten, wie und wann sie das soll und will.

Echte Demokratie war einmal?

Nun wurden vom Weißen Haus doch tatsächlich zahlreiche etablierte, linksliberale Medien von einem Press Briefing einfach ausgeschlossen. Das waren Medien wie die New York Times, Los Angeles Times, CNN, Politico sowie Buzzfeed. Auch die BBC und der Guardian durften keine Korrespondenten senden. Alles für ihre Unseriosität, Unsachlichkeit und Unwahrhaftigkeit ja wirklich bekannte Tageszeitungen, Sender und Portale. 🙂 Weil sie dem momentanen Regime, das im Weißen Haus sitzt, nicht gefallen. Weil sie Dinge investigieren und schreiben, die den neuen Machthabern nicht zusagen. Vermutlich, weil alle diese Dinge der Wahrheit entsprechen und „man“ bei seiner eher rechts angehauchten Stamm-Klientel  unter der Wählerschaft nicht die Alarmglocken schrillen lassen will. Die Alarmglocken schrillen nun aber sicher beim Rest der Welt. CNN, BBC und New York Times und The Guardian, nicht zugelassen im Weißen Haus? Kritische Fragen überhaupt nicht mehr zugelassen im Weißen Haus? Mir wird kalt. Und der ganzen Welt sollte kalt werden.

Die Sprache von Diktaturen

Diese Ausdrücke wie Regime, Machthaber und Diktatur gehören an sich nicht zu einem von mir verwendeten Sprachgebrauch. Ich nutze sie in diesem Beitrag bewusst und habe auch das  Bild deswegen gewählt, weil es in den USA betreffend den Umgang mit den Medien und mit der Wahrheit an sich unglaublich bedrohlich in Richtung diktatorales Verhalten und weg von der Demokratie geht. Was machen Diktatoren als erstes? Sie behindern die Pressefreiheit und starten ein gewagtes Spiel mit der Wahrheit. Donald Trump, und wie er die Welt sieht. Und alle, alle, müssen diese seine Ansicht übernehmen. Wer das nicht tut, ist automatisch ein Feind. Als zweites behindern versuchte Diktatoren die Demokratie durch den Ansatz des Unterminimierens der Gerichte. Auch das hatten wir schon als Versuch in der Trump Administration. Das erinnert fatal an das legendäre Ministerium für Wahrheit in Orwell’s „1984“. Dass in eben diesem Buch auch der ständige Krieg als permanenter Frieden verkauft wurde, erwähne ich nur nebenbei. Was Orwell 1949 veröffentlichte und in 1984 ansiedelte, ist 2017 auf dem Weg, unfassbare Wirklichkeit zu werden. Gibt es für die USA noch Hoffnung für die Wahrheit und die Pressefreiheit und eben für die Demokratie ?

Die Demokratie wird nicht sterben!

Ja, diese Hoffnung gibt es. Denn, wer bei den Medien Wind sät, wird Sturm ernten. Und zwar Mega-Orkane. Ich habe es schon einmal  geschrieben, und wiederhole es überzeugt abermals. Medien, die man unterdrückt, erheben sich noch kraft- und machtvoller. Sie investigieren mehr  und mehr und tiefer und tiefer. Sie werden noch stärker und verbünden sich gegenüber dem gemeinsamen „Feind“. Einem Feind, der sie auslöschen und zum Verstummen bringen will. Wird das  gelingen? Nie im Leben! Die Tatsache, dass die Zahl der Abonnenten der genannten Tageszeitungen in den letzten Wochen drastisch anstieg, ist Hoffnung und lebendiger Beweis dafür, dass eine wahre und kritische Berichterstattung von den meisten Bevölkerungsteilen gewünscht wird! Viele der anwesenden Medien hatten übrigens gegen den Ausschluss ihrer Kollegen protestiert. Das Verbünden hat begonnen! Die Medienpolitik von Donald Trump ist aberwitzig und gefährlich. Sie wird ihm –  wie vermutlich viele andere Dinge – drastisch um die Ohren fliegen. Es gibt keine Alternative zur Demokratie! Nicht nur in puncto Medien.

Quelle: Die Zeit

Wenn Fragen nicht mehr zulässig sind

1984 – Wehret den Anfängen