Der Pfarrer als Redner und PR Botschafter

Wie der Pfarrer als Redner und PR Botschafter wirkt

Der Pfarrer als Redner und PR Botschafter tritt alle Jahre wieder auf. Auch in diesem Jahr. Am 24. 12. besuchte ich – das ist schon Tradition – die Kindermesse im Dom zu St. Pölten. Ich mag diese ganz spezielle Atmosphäre. Kinder verschiedenen Alters betreten mit staunenden und glänzenden Augen die Kirche. Zu Beginn ist es nicht wirklich ruhig, die Kleinen rufen laut, kommunizieren untereinander und verfolgen das Geschehen in der Kirche mit diversen  Kommentaren. Ruhe kehrt erst ein, wenn der Dompfarrer mit seiner Entourage, den Ministranten, einzieht und zum Rednerpult schreitet.

Der Pfarrer als Redner und PR Botschafter und die Dramaturgie

Dies ist immer ein Moment, auf den ich mich sehr freue. Denn dieser Pfarrer, das kenne ich schon von anderen Gottesdiensten, hat es in sich. Der weißhaarige Herr mit seinem  humorvollen Lächeln enttäuscht auch dieses Mal nicht. Was seine Lippen verlässt, sind nicht die üblichen salbadernden, klerikalen Töne. Dargebracht im stimmlichen wie rhetorischen Einheitsbrei. Nein, dieser Pfarrer ist ein Redner. Der Pfarrer als Redner und überzeugender PR Botschafter. Gekonnt nutzt  er die Dramaturgie für den Aufbau seiner Eröffnungssätze dieser Kindermesse. Um den Kindern nahezubringen, wie es „damals im Stall zu Betlehem war“, dunkel, kalt, und wohl auch einsam – bevor die Weisen eintrafen selbstverständlich 🙂 – lässt er die Lichter im Dom ausgehen. So nutzt er die Macht der Bilder und der Emotionen des Augenblicks. Und zaubert mit seinen Worten und seiner sonoren Stimme tatsächlich den Stall, Maria und Josef und die Tiere vor das geistige Auge der Kirchenbesucher. Man wähnt sich dort, direkt am Ort des Geschehens. Im so fernen und gefühlt plötzlich doch so nahen Betlehem. Genial, wenn er sagt: „Und wißt Ihr, liebe Kinder, damals gab es keinen Fernseher, um sich die Zeit zu vertreiben … „.

Gäbe es nur mehr solcher PR-Botschafter

Nach jedem dieser Auftritte  – anders kann ich es nicht benennen – muss ich mich beherrschen, um nicht zu applaudieren. Ich habe immense Lust, dieser Redekunst mit einem lauten „Bravo“ zu huldigen. Wäre wohl im Gotteshaus nicht so ganz passend, deswegen halte ich mich zurück. Dies war „nur“ seine Performance in der Kindermesse. Ich kenne aber auch großartige Predigten im „normalen“ Gottesdienst, in denen er Situationen des aktuellen Weltgeschehens mit biblischen  Vorkommnissen geschickt verknüpf und rhetorisch wie inhaltlich geschliffene Parallelen herstellt. Es ist immer eine Freude, ihm zu lauschen. Ich könnte ihm stundenlang zuhören. Und kann nicht umhin,  für mich festzustellen, dass so mancher professionelle Redner von der Gelassenheit und Achtsamkeit dieses ganz speziellen Vortragenden noch etwas lernen könnte. Die Kirchen dieser Welt brauchen mehr  dieser PR-Botschafter in eigener Sache! Und ich bin gespannt auf die Messe und Predigt zum ersten Januar 2017! Da fällt diesem Dompfarrer ganz bestimmt wieder ein fulminanter Auftakt ein.

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