Pressefreiheit versus Fake News

Pressefreiheit – das höchste Gut

Pressefreiheit à la Trump

President Elect Donald Trump hat sich eine Woche vor der Angelobung der Presse gestellt. Ich habe mir die gesamte Pressekonferenz angesehen. Und ich bin entsetzt. Pressefreiheit scheint dem zukünftigen 45. Präsidenten der USA noch weniger zu bedeuten, als nach seinen unfassbaren Auftritten während des Wahlkampfes zu befürchten war. Die aufwendig und pompös gestaltete Pressekonferenz begann relativ moderat mit einem längeren Monolog Trumps. Sobald Journalisten ihn aber durch Fragen unterbrachen, schien er sich  gestört zu fühlen. Hörte die Aussage der Journalisten meist nicht bis zum Ende an und antwortete ungeduldig bereits mitten in die Frage hinein. Ohne deren präzise Bedeutung durch sein Unterbrechen überhaupt verstehen zu können. Das ist unhöflich und respektlos. Dies war zu Beginn nur untergründig spürbar, steigerte sich jedoch im Laufe der Pressekonferenz. Um in eine wahre Groteske auszuarten.

Alles Fake News oder doch Pressefreiheit?

Trump zeigte sich, wie „Die Zeit“ so richtig feststellt, von all seinen schlechten Seiten. Er weigerte sich z. B., einem Reporter von CNN eine Frage zuzugestehen, weil dessen Organisation ja nur für „Fake News“ stünde. Als dieser Medienvertreter insistierte, dass er auch ein Recht habe, gehört zu werden, konterte Trump „Don’t be rude“. Mit anklagendem Zeigefinder in die Richtung des Fragestellers. Es ist eine traurige Farce, wenn der eigentlich Unhöfliche andere als „rude“ bezeichnet. Schilda läßt grüßen. Schilda ist in diesem Fall leider bald Washington. Das ist die eigentliche Katastrophe.

Pressefreiheit ist Dialog

Die Quintessenz einer Pressekonferenz ist nach allgemeinem journalistischen Verständnis ein ausgewogener Mix zwischen Fragen und Antworten. Also eine Art Dialog. Das fand hier vom Ansatz an nicht statt. Die Trump Organisation hatte die Veranstaltung auch vorsichtshalber gleich als News-Conference angekündigt. Das mag wie ein Detail klingen, ist jedoch meines Erachtens nach eine sehr gefährliche und die Pressefreiheit unterminierende Vorgangsweise. Auf News Conferences werden News dargelegt. Bereits interpretiert und für die News-Geber wohl in Stein gemeißelt. Auf einer echten Pressekonferenz hingegen stellt sich  eine Person den aktuellen Fragen der Presse. Auf einer Pressekonferenz entkommt „man“ den live Fragen der Medien nicht und muss antworten. Egal, ob einem die Frage zusagt oder nicht. Eine Live Pressekonferenz kann man als der im Mittelpunkt Stehende nicht dirigieren. Eine Pressekonferenz erfolgreich zu gestalten, vor allem bei aktuellen Krisen oder Vorkommnissen, ist die höchste Kunst. Das erfordert Souveränität, Kontrolle über die eigenen Emotionen, Respekt gegenüber den Fragenden und eiserne Nerven. Trump verfügt anscheinend über nichts davon. Er hat seine Unfähigkeit, souverän und staatsmännisch zu agieren, wieder einmal eindeutig unter Beweis gestellt.

Pressefreiheit in massiver Gefahr

Ich finde, jeder, der weltweite Pressefreiheit und offene Berichterstattung als persönlichen Wert hochhält, darf hier nicht schweigen. Deswegen weise ich in diesem Blog darauf hin. Ich fürchte, es wird nicht der letzte Beitrag dieser Art an. Auf der positiven Seite werden mir dadurch aktuelle und kontroverse Themen nicht ausgehen. Auf einer sehr viel negativeren Seite scheint mir das höchste Gut, die Pressefreiheit, in den USA in massiver Gefahr zu sein. Das ist die für mich einzige Konklusion, wenn unbequeme Fragen weggefegt und alles Unangenehme, das Medien bringen, als „fake news“ klassifiziert wird. Das ist düster. Das ist gefährlich. Medien, wehret den Anfängen!!!

 

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